Martina Türschmann: Miesegrimm spaziert in die Welt hinaus

Türschmann_PorträtEs gibt Begegnungen, die vom ersten Moment an Tiefe haben. So war es bei Martina Türschmann, der ich auf einer Geburtstagsfeier begegnet bin. Als wir einige Wochen später bei einer Veranstaltung nebeneinander saßen, kamen wir ins Gespräch. Ich erfuhr, welche Herausforderungen sie angenommen hat,  um ihr Herzensthema – mit Büchern Kinder bestärken – zu verwirklichen. Lies hier über den Weg dieser kreativen, mutigen Frau.

Was war der Auslöser dafür, dass Du Deinen eigenen Weg gegangen bist und wie bist Du darauf gekommen?

Lange Jahre war ich der Meinung, dass man für die Umsetzung einer Idee Menschen braucht, die vom Fach sind und einen dabei unterstützen. Ich habe überhaupt nicht in Erwägung gezogen, dass ich in der Lage sein könnte, aus eigener Kraft Berge zu versetzen, oder mich an dem Weg über oder um den Berg zu erfreuen.
Der Auslöser für meinen eigenen Weg war die vernichtende Kritik eines sehr bekannten und angesehenen Grafikers, der über mehrere Ecken gefragt wurde, ob er mir helfen kann, Fuß in der Kinderbuchbranche zu fassen.
Dieser Schlag ins Gesicht war – wie soll ich das formulieren – so abfällig, selbstgerecht und niederschmetternd, dass ich tatsächlich mehrere Tage am Boden lag, um meinen Traum getrauert habe und alles langsam zu Staub zerfallen ist. Es war ein sehr schmerzhafter Prozess, der in dem Gedanken endete: Dann mache ich es halt alleine! Das war der Start dafür, dass ich meine Kinderbücher seit 2007 im Eigenverlag (BoD) selbst verlege, vermarkte und vertreibe.

Einen eigenen Weg zu gehen, fällt vielen Menschen schwer. Was hat Dich darin bestärkt, es dennoch zu tun?

Zum einen die simple Frage: „Warum eigentlich nicht, wer soll mich daran hindern?!“  Zum anderen das Wissen, dass meine Bücher meiner Zielgruppe, den Kindern, auch sehr gut gefallen.
Türschmann_Hexe vom PompermoosMeine Familie schiebt diesen Schritt gerne auf mein Sternzeichen: Ich bin Widder und die wollen bekanntlich durch die Wand. Meine Formulierung hierfür wäre eher: Hartnäckigkeit und das Wissen darüber, dass das, was ich mache, eine gute Sache ist. Und wenn man selbst von etwas überzeugt ist, darf man sich nicht von anderen Menschen ausbremsen lassen und aufgeben, bloß weil es ihnen aus irgendwelchen Gründen nicht passt und sie etwas dagegen sagen. Oft sind diese Gründe auch subjektiv und vom Geschmack des Einzelnen abhängig. Oder es ist nicht die richtige Zeit, nicht das richtige Verlagsprogramm, nicht der richtige Mensch, der die Macht der Entscheidung trägt.
Die vielen Reaktionen der Kinder bei meinen Lesungen bestärken mich immer wieder, weiterzumachen und meinen Weg zu gehen.

Hast Du dafür Beispiele?

Ja, gerne zeige ich es an zwei Situationen.

  1. Im Anschluss an eine Lesung in einer 3. Klasse meldete sich ein Junge zu Wort, der sehr skeptisch wirkte.
    “Glaubst du eigentlich selbst an das, was du da schreibst?”, fragte er und verschränkte die Arme vor der Brust.
    (Ach herrje …!) „Was soll ich dir denn jetzt dazu sagen? Wenn man nicht an die Welt der Gespenster und Kobolde glaubt, kann man auch den Wanderweg nicht finden, der einen in die Welt der Gespenster bringt!”, war meine Antwort.
    Der Junge überlegt eine Weile und kam dann zu dem Schluss: “Na gut, dann will ich wieder daran glauben!” Dabei veränderte er um keinen Zentimeter seine skeptische Haltung. (Ist es nicht wunderbar, einen Drittklässler wieder in die Welt der Fantasie zurück zu holen?)
  2. Nach Lesungen entstehen häufig Diskussionen mit den Kindern.
    Türschmann_Miesegrimm in GefahrDas Thema bei “Miesegrimm in Gefahr” ist u.a. die Angst und wie man am besten damit umgehen kann. Wir fragen uns: Wenn man im Vorneherein schon ein schlechtes Gefühl hat, soll man sich tatsächlich der Gefahr aussetzen oder ihr lieber aus dem Weg gehen? Kann man es wagen, genauer hinzuschauen? Was sagt mir mein Bauch?
    Nach ein wenig Hin und Her meldete sich eine Drittklässlerin aus dem Main-Taunus-Kreis zu Wort und sagte mit Nachdruck: “Also – ich bin doch nicht blöd – wenn mir mein Bauch sagt, ich soll nicht in eine Drachenhöhle gehen, dann gehe ich doch da nicht rein und lasse mich wie ein Hähnchen grillen!”
    (Richtig so…!)

Mein Weg ist mit der Zeit um einiges breiter geworden als noch zu Beginn meiner Wanderung. Es geht nicht mehr nur um das Schreiben selbst, sondern um die ganze Arbeit drum herum: Der direkte Dialog mit Kindern und die Themen, die sie im Grundschulalter und noch darüber hinaus beschäftigen.

Eigene Vorstellungen verwirklichen braucht Ausdauer. Wie lange hat es bei Dir gedauert, von der ersten Idee bis Du am Ziel angekommen bist?

7 Jahre – von der Verlagssuche bis zur Herausgabe meines ersten Buchs: „Miesegrimm – Du kannst auch Türschmann_Miesegrimm du kannst auch andersanders!“ im Selbstverlag. Seither sind weitere 10 Jahre ins Land gegangen und ich konzentriere mich auf das Marketing meiner inzwischen 4 Kinderbücher inklusive Schulmaterial für die ersten 3 Bücher. Aus diesen sind mittlerweile Theatermanuskripte entstanden – und jetzt muss ich lachen: Auch hier stoße ich bei der Suche nach einem Theaterverlag wieder nur auf Sackgassen, obwohl die Stücke bereits mit großem Erfolg und Eigeninitiative in einem kleinen Theater aufgeführt worden sind. Wir haben kleine Musicals daraus gemacht und das Spiel mit Liedern untermalt. Doch die Branche erwartet von der ersten Stunde an Perfektion oder ein Angebot, das gleich zu Beginn hohe Umsätze verspricht. Oder braucht man einfach nur das richtige Vitamin B?
An diesem Punkt ist tatsächlich die Frage, ob ich mein Ziel erreicht habe, weil mir meine Arbeit sehr viel Spaß und Freude bereitet? Oder ist das Ziel eher finanzieller Art? Denn leben kann ich von meinen Büchern nicht, auch wenn sich der Verkauf von mehreren tausend Büchern sehen lassen kann.
Wenn der Weg das Ziel ist, gehöre ich zu den sehr zufriedenen Menschen. Wenn am Ende noch ein anderes Ziel auf mich warten sollte, gar monetärer Art – auch gut. Zu meinem großen Glück habe ich einen wunderbaren Partner, der mich unterstützt und mir zur Seite steht.

Welchen Herausforderungen und Hindernissen bist Du begegnet und wie bist Du damit umgegangen?

Ich würde meinen Weg gar nicht so sehr an direkt/kurz im Vergleich zu Umwegen/lang festmachen, um Hindernissen aus dem Weg zu gehen. Wenn ich genauer über diese Frage nachdenke, wird mein Weg zu einer Sackgasse, wenn ich den finanziellen Erfolg an der Unterstützung durch Menschen aus der Branche festmache. Der Weg endet an dieser Stelle!
Verlasse ich mich auf mich selbst, lege ich Strecke zurück. Erfreue mich an meinen Erfolgen und bin zufrieden.
Türschmann_Miesegrimm und die PlaudertascheEin Hindernis können allerdings Erwachsene sein, die die Buchauswahl treffen, und sich meist auf Literatur und Autoren einschießen, die sie selbst in ihrer Kindheit gelesen haben oder deren Namen sie kennen. Wie gehe ich damit um? Hinfallen, a bisserl traurig sein, aufstehen, Kopf schütteln, Nase hoch und meinen Weg gehen.
Letztendlich habe ich einen Weg gefunden, der mich direkt zu meiner Zielgruppe, den Kindern selbst führt. Es gibt keine kritischeren und ehrlicheren Menschen als Kinder!
Dieser Weg hat keine Schleifen um Hindernisse, er führt mich in alle Richtungen und hinter jeder Ecke kann eine schöne Erfahrung oder ein toller Mensch auf mich warten – ob klein oder groß. Ich lasse es auf mich zukommen.

Erfolge entstehen mit anderen. Wer oder was hat Dich auf Deinem Weg unterstützt?

Allen voran mein Ehemann sowie meine Töchter. Zudem ist mein Leben durch viele Menschen bereichert worden, die mir auf meinem Weg geholfen haben – zum Teil völlig unerwartet und aus heiterem Himmel.
Ich habe Menschen kennengelernt und Freunde gefunden, die mir ohne meine Geschichten und Bücher nie begegnet wären. Für diese Erfahrung bin ich sehr dankbar. Nie wäre ich beim Start meiner Wanderung auf die Idee gekommen, dass aus meinen Büchern mal Theaterstücke werden könnten.

Erkenntnisse sind die Schatzkiste des Erfolgs. Was waren Deine wichtigsten Erkenntnisse, die Du anderen mitgeben willst?

Wenn Du ein Ziel hast, von dem Du überzeugt bist, gib nicht auf. Glaube an Dich und setze sogar noch eins drauf: Träume Dir Deinen Erfolg herbei. „Wer an sich glaubt, kann die Sterne erreichen. Wer träumt, holt sie vom Himmel”, las ich einmal auf einer Karte.

Ausblick in die Zukunft: Welches Vorhaben willst Du als nächstes verwirklichen?

Mein Vorhaben „der Miesegrimm“ ist noch immer auf dem Weg. Dieser Weg bleibt spannend und wird nicht so schnell enden. Wenn Du Dich näher informieren möchtest, schaue doch einfach mal bei mir vorbei: www.miesegrimm.de.

PS: Gehe Deinen eigenen Weg – es gibt keinen besseren!