Warum ich keine SMARTen Ziele setze…

… und warum Du es auch nicht solltest!

Zugegeben, der Titel klingt ein wenig reißerisch. Soll er auch, denn ich möchte die Aufmerksamkeit auf ein Thema lenken, das selten hinterfragt wird und vor allem Frauen häufig in die Irre führt. Dem möchte ich mit diesem Beitrag etwas entgegensetzen.

Darum geht's hier:

Seit 30 Jahren begleite Frauen dabei, ihre Wünsche und Träume in konkrete Projekte fließen zu lassen und sich dafür mutige Ziele zu setzen. Dabei ist mir zwangsläufig die SMART-Formel begegnet. Sie gilt bis heute als das Maß aller Dinge und einzig richtiges Vorgehen bei der Zielsetzung. Sie führt unzählige Frauen in die falsche Richtung.

Für alle, die nicht wissen, was sich hinter dem Wort verbirgt: Die fünf Buchstaben stehen für die Punkte Spezifisch – Messbar – Attraktiv – Realistisch – Terminiert.

SMART passt nicht für alle(s)

Obwohl sich in den letzten rund zehn Jahren vieles verändert hat und manches regelrecht auf den Kopf gestellt wurde, wird die SMART-Formel bis heute genutzt, ohne darüber nachzudenken, ob dies im jeweiligen Kontext wirklich (noch) passt. In den vielen Jahren, in denen ich mit dem „Büro für ungewöhnliche Zielerreichung“ unterwegs war, habe ich diese Formel selbst vertreten – und schmerzlich festgestellt, dass es vor allem Frauen eher behindert als ihnen nützt. Hier meine Gründe:

Spezifisch

Aus meiner Sicht erfordert dieser Punkt, dass wir bereits zu Beginn festlegen, welches konkrete (= spezifische) Ergebnis herauskommen soll. Das wissen allerdings die wenigsten. Und so geben sie ihrem Kopf alle Macht der Welt und dieser bestimmt darüber, wohin die Reise geht. Der Verstand hat überzeugende Gründe (darin ist er sehr gut!) und plant, macht und zieht – in die falsche Richtung. Es soll schließlich spezifisch sein und das kann er doch am besten…

Falsch!

Der Verstand handelt auf Basis unserer bisherigen Erfahrungen und verbindet diese mit dem, was er sonst noch hört und liest – von anderen Menschen, aus den Medien oder durch Gespräche. So entsteht schnell ein: Au ja, das will ich auch!

Ob dieses Ziel wirklich zu Dir und Deiner Persönlichkeit passt, steht auf einem anderen Blatt. So ist es kein Wunder, dass viele Frauen fremden statt eigenen Zielen folgen und am Ende frustriert und unglücklich sind.

Erkennen, was für Dich passt

Was für Dich wichtig und richtig ist, lässt sich oft noch nicht greifen.

Es ist ein Prozess zu erkennen, was Du wirklich willst und dem auch zu vertrauen. Das geschieht selten über Nacht oder zu einem bestimmten Zeitpunkt, wie einem Jahreswechsel.

Viele Frauen haben wenig Zugang zu ihren persönlichen Bedürfnissen. Zumal die Dauerberieselung durch die sozialen Medien unsere Sicht auf uns selbst in den letzten Jahren sehr beeinflusst hat.

Die wenigsten von uns älteren Frauen wurden ermutigt, unsere Wünschen ernst zu nehmen und sie zu verwirklichen.

  • Wie war das bei Dir?
  • Wie viel Ermutigung und Bestärkung hast Du dazu erfahren?

Für mich war es ein langer Prozess, bis ich klar sagen konnte, was zu mir gehört und wo ich den Vorstellungen anderer für mein Leben gefolgt bin. Heute habe ich ein klares Gefühl dafür, wann etwas stimmt und was ich will.

Deinen Leitstern entdecken

Heute plädiere ich dafür, zunächst unspezifische, noch nicht völlig ausformulierte Ziele festzulegen. Sie als Deinen Leitstern zu sehen, der die Richtung vorgibt und dem Du folgst. Der Weg entsteht im Gehen und das Ziel wird mit jeder Etappe klarer.

Messbar

Gefühle sind die unabdingbare Basis für unsere Träume, Wünsche und Ziele. Wir brauchen eine emotionale Verbundenheit, wenn es keine reinen Kopfziele sein sollen.

Doch sind Gefühle messbar? Wohl eher nicht.
Und falls doch, welche Skala setzt Du dafür ein?

Sobald das Herz mit ins Spiel kommt – und das sollte es bei persönlichen Zielen auf jeden Fall! – haben wir zwar einen emotionalen Maßstab, an dem wir uns orientieren können und der wie ein Leitstern wirkt.

Qualität ist nicht messbar

Gefühle sind ein innerer Maßstab, jedoch nicht messbar. Messbar heißt in meiner Welt: Zahlen – Daten – Fakten. Und schon bewegen wir uns in Kategorien von höher, schneller, weiter und drängen weiter auf Quantität.

Viel wichtiger ist die Qualität, die Du erleben willst. Sie löst eine Kraft in Dir aus, lässt eine Umsetzungsenergie entstehen wie auch die Bereitschaft, immer wieder konkrete Schritte für Dein Vorhaben zu unternehmen.

Attraktiv

Unbedingt! Das ist der einzige Punkt, dem ich zustimme.

Ein Ziel, das Dich nicht begeistert und damit anzieht, ist unsinnig. Wer keine Lust auf das Ergebnis hat, fängt gar nicht erst an. Daher fordere ich meine Kundinnen regelmäßig auf, ihre Entschiedenheit zu überprüfen.

Deine Entschiedenheit ist besonders anziehend 😉

Nach Deiner Entscheidung für ein attraktives Ziel solltest Du prüfen, wie entschieden Du dafür bist. Je höher Deine Entschiedenheit ist, desto schneller und leichter entstehen Ergebnisse.

Lausche dafür nach innen und lasse zur folgenden Frage eine Zahl von 1 bis 10 aus Deinem Unterbewussten auftauchen:

Wie viel Lust habe ich auf mein Ziel und das damit verbundene Ergebnis?

Nur wenn diese Zahl hoch genug ist – ich plädiere für mindestens 9 auf der Skala – wirst Du Dich immer wieder für Dein Vorhaben einsetzen. Dann werden auch auftretende Hindernisse nicht mehr als Bremsklotz gesehen, sondern zu einer Herausforderung, für die Du aktiv einen Weg suchst, diese zu überwinden.

Realistisch

Oh, oh! Dieser Punkt tötet zahlreiche Ideen schon im Ansatz. Sicher kennst Du Sätze wie diese: Du musst einfach realistisch bleiben! Bleib auf dem Teppich, statt Luftschlösser zu bauen! Streck Dich ja nicht zu weit aus dem Fenster (gemeint ist: in die Höhe)!

Das war’s dann mit der schönen Idee…

Dabei hätte durchaus etwas daraus werden können. Vielleicht sogar etwas Wunderbares, Einmaliges, sehr Persönliches. Hat nur leider den üblichen Realismus-Check nicht bestanden…

Setze „realistisch“ als Test ein, um herauszufinden, ob Du das Ziel eigenständig und unabhängig von der Beteiligung anderer Personen erreichen kannst. Damit bekommt dieser Punkt eine andere Bedeutung.

„Eigenständig“ bedeutet, dass Du nicht vom Wohlwollen oder der Beteiligung einer bestimmten anderen Person abhängig bist. Ein klassisches Beispiel hierfür ist: Du möchtest heiraten, doch weit und breit ist kein Partner in Sicht 😉

Terminiert

Über diesen Punkt ließe sich streiten.

Wer ganz am Anfang steht mit Zielen und deren Formulierung, ist gut beraten, sich ein Datum zu setzen, bis zu dem etwas erreicht sein soll. Dies führt dazu, tatsächlich und frühzeitig etwas dafür zu tun. Vor allem, wenn Du dazu neigst, Dinge vor Dir herzuschieben, braucht es diesen selbstgesetzten Druck, um in die Puschen zu kommen. Dafür gibt es den gerne verwendeten Spruch: Ziele sind Wünsche mit einem Enddatum.

Druck ist kein guter Ratgeber

Die mögliche Kehrseite davon, einen Termin festzulegen, ist: Du setzt Dich extrem unter Druck und erlebst ein Gefühl von Versagen, wenn Du zum festgesetzten Zeitpunkt nicht am Ziel angekommen bist. Das gleicht dem Athleten, der es gerade nicht mehr aufs Treppchen geschafft hat. Aus, vorbei, gescheitert!

Da helfen auch tröstende Worte nicht. Du hast einfach das Gefühl: Ich habe versagt und bin es nicht wert, meine Ziele zu erreichen!

Wahrscheinlich kannst Du Dir vorstellen, was das mit Deinem Selbstwertgefühl macht – egal, wie oft Du Dir sagst: Ist ja nicht so schlimm…

Aus meiner Erfahrung weiß ich:

Vom genau passenden Zeitpunkt

Jedes Vorhaben erfüllt sich zum genau passenden Zeitpunkt. Und dieser ist unabhängig von einem Termin, den Du festlegst. Wie es dieser John Lennon zugeschriebene Satz zum Ausdruck bringt: Das Leben passiert, während wir andere Pläne machen.

Daher empfehle ich, keinen Termin festzulegen, sondern Dich immer wieder mit Deinem Vorhaben zu verbinden und Dich davon wie von einem Leitstern anziehen zu lassen.

Wie geht es ohne SMART-Formel?

Vielleicht fragst Du Dich nun:

  • Woran erkenne ich, ob mein Ziel kraftvoll genug ist und es sich lohnt, mich auf den Weg dorthin zu machen?
  • Welche Kriterien nutze ich stattdessen?

Was meine Kriterien sind und welchen Maßstab ich dafür empfehle, findest Du hier: Besteht mein Vorhaben den ZIELE-Test?

Welche Kriterien nutzt Du für Deine Ziele?
Welche Erfahrungen hast Du mit SMART gemacht?

Ich freue mich, von Dir zu hören. Nutze dafür die Kommentarfunktion.

PS: Geh' Deinen eigenen Weg – es gibt keinen besseren!

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Ulrike Bergmann

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