Ausbruch aus dem goldenen Käfig

Offenes Fenster mit Blick in eine weite Landschaft und dem Text „Käfig bleibt Käfig“.

Diesen Text habe ich im November 2016 geschrieben und in meinem alten Blog veröffentlicht. Beim Wiederlesen wurde mir klar, wie sehr er den Kern meines Weges beschreibt – lange bevor vieles von dem, was heute selbstverständlich erscheint, Form angenommen hat.

Der „goldene Käfig“ steht für eine Entscheidung, die weit vor meiner Selbständigkeit gefallen ist. Und für eine Haltung, die mich bis heute trägt: Lieber ein eigener, manchmal unsicherer Weg als ein glänzendes Leben in zu engen Grenzen.

Ich veröffentliche diesen Text jetzt – Anfang Februar 2026 – erneut, weil er Teil meiner Geschichte ist. Und weil er zeigt, was die Quelle meines persönlichen Mut-Machens ist.

Ausbruch aus dem goldenen Käfig

Spätestens am Mittwoch beginnen Radio-Moderatoren mit dem Countdown zum Wochenende: Nur noch drei (zwei, ein) Tage … eine kurze Arbeitswoche … das Wochenende naht.

Ich frage mich immer wieder: Was soll das?

Für wen ist die in der Arbeit verbrachte Zeit so unerträglich, dass das Wochenende als rettendes Ufer herhalten muss? Als Insel, auf der man sich erholt von dem, womit die eigenen Tage größtenteils gefüllt sind?

Ich halte es für verschwendete Lebenszeit, wenn Menschen sich durch die Woche quälen und sie nur der Gedanke an Wochenende oder Urlaub aufrechterhält. Immerhin verbringen wir rund zwei Drittel unserer Lebenszeit mit und in unserer Arbeit.

Das Wesentliche liegt woanders

Geht es in unserem Leben wirklich nur darum, sich anzupassen und zu leisten, was andere von und erwarten? 

Für mich ist das Wesentliche menschlichen Seins, das Beste aus unseren Gaben zu machen und damit einen Beitrag zu leisten – im persönlichen Umfeld oder in der Gesellschaft insgesamt. Wofür auch immer wir uns einsetzen: Wir tragen mit dazu bei, eine Gesellschaft zu gestalten, die mehr kennt als „höher, schneller, weiter“, und Menschen Raum zur Entfaltung ihrer Potenziale gibt.

Den ersten Schritt dorthin kann nur jede und jeder selbst gehen.
Und ich weiß, dass das nicht immer einfach ist.

Für mich war die zunehmende Unzufriedenheit mit meiner beruflichen Situation vor über 20 Jahren der Auslöser, meine gut bezahlte Tätigkeit in einem internationalen Unternehmen aufzugeben – trotz aussichtsreichem Karriereweg. Drei Jahre zuvor war ich in einen exponierten Bereich gewechselt, der mir von Anfang an wenig Freude bereitet hatte und den ich nur noch als Arbeit empfand.

In dieser Zeit führte ich ein Gespräch mit meinem Vorgesetzten, der von meiner Unzufriedenheit wusste. Darin fiel ein Satz, der mir bis heute präsent ist:
„Frau Bergmann, über eines müssen wir uns im Klaren sein: Wir leben hier in einem goldenen Käfig.“

Meine spontane Antwort lautete:
Käfig bleibt Käfig – ob golden oder nicht.

Für mich war unerheblich, wie glänzend und gut ausgestattet dieser Käfig war. Die Einengung darin schnürte mich immer stärker ein, was Außenstehende kaum nachvollziehen konnten. Sie sahen nur den Glanz und die Sicherheit, nicht den begrenzten Bewegungsraum, in dem ich immer wieder an unsichtbare Grenzen gestoßen bin. Bis die Freude schwindet, man wie ein flügellahmer Vogel in der Ecke sitzt und das nächste Wochenende oder den nächsten Urlaub herbeisehnt. Falls man überhaupt noch Kraft dafür hat.

All das erlebte ich in den Jahren vor meinem Ausscheiden.
Bis mir das Leben in Form einer Krankheit die rote Karte zeigte und mir sieben Wochen Pause verordnete. Da wurde mir klar: Ich will etwas anderes. Ich will meine Flügel ausbreiten und meine Talente sinnvoll einsetzen.

Meine Flucht aus dem goldenen Käfig planen

Zwei Jahre lang legte ich konsequent Geld zur Seite, statt es für Dinge auszugeben, die nur kurzfristig ablenkten oder befriedigten. Meine Urlaubstage investierte ich in eine Ausbildung, um mich auf das Neue vorzubereiten.

Als ich drei Jahre später kündigte, wusste ich nur eines: Ich wollte als Beraterin und Trainerin arbeiten. Das Wort Coach war damals noch kaum gebräuchlich. Mit meiner Kreativität und Begeisterungsfähigkeit wollte ich Frauen wie mich darin bestärken, ihren eigenen beruflichen Weg zu gehen.

Unterstützung dafür zu finden war Anfang der 1990-er Jahre alles andere als selbstverständlich. Es gab kein Internet, keine Regale voller Bücher über Berufung oder beruflichen Neustart. Ich fand niemanden, der mich auf der Suche nach einer Alternative begleitete.

Mein Weg beginnt – alleine

Daher machte ich mich alleine auf meinen Weg. Es war ein abenteuerlicher, kurvenreicher und auch sehr erfüllender Weg.

Dieser Weg führte mich zunächst für 2,5 Jahre in die USA. Zurück in Deutschland machte ich mich 1995 als Coach und Beraterin selbständig. Später kam das Schreiben hinzu, das heute ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit ist. Der rote Faden all dieser Jahre war der Wunsch, andere Menschen zu bestärken, ihre eigenen Käfige zu verlassen und fliegen zu lernen. Sich auf etwas Neues einzulassen, das sie anfangs oft noch nicht greifen können, und dafür passende Räume der Begleitung zu finden – in Gruppen, im Austausch, im Miteinander.

Vorbild für einen anderen Weg

Inzwischen bin ich seit 1995 als Solo-Unternehmerin auf meine eigene Art unterwegs. In dieser Zeit habe ich viele Hundert Menschen darin bestärkt, über das hinauszugehen, was ihnen durch Herkunft, Gesellschaft oder eigene Überzeugungen vorgegeben schien. Der überwiegende Teil meiner Kundinnen sind Frauen. Heute begleite ich vor allem lebenserfahrene Frauen darin, ihrem Herzen zu folgen und dem, was ihnen wirklich wichtig ist, einen angemessenen Raum zu geben.

Auf überraschend viele „meiner“ Frauen trifft zu, was mir einmal im Rahmen einer Potenzialanalyse gesagt wurde:

Sie haben kein klassisches Selbständigen-Profil. Umso erstaunlicher, wie gut Sie sich seit vielen Jahren am Markt behaupten.

Ja, es war oft herausfordernd, anders zu sein als die Mehrheit.

Und doch haben mich genau diese Erfahrungen darin bestärkt, meinen eigenen Weg zu gehen. Mich immer wieder daran zu erinnern, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt, sondern viele Möglichkeiten, auf eigene Weise erfolgreich zu sein.

Den Wert von Begleitung erleben

Wann immer ich alleine nicht weiterkam, suchte ich mir Begleitung.
Bis heute ist es mein zentrales Anliegen, Frauen auf ihrem Weg zu bestärken und ihnen zu zeigen, wie ein zu ihnen passendes Solo-Business aussehen kann und nach ihren eigenen Maßstäben erfolgreich zu werden.

Aus eigener Erfahrung weiß ich:
Mit einer Mutmacherin an der Seite geht vieles leichter.


PS: Geh' deinen Weg – es gibt keinen besseren!

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