Wenn ich heute auf 30 Jahre Selbstständigkeit zurückblicke, dann sehe ich eine Geschichte, die mehr ist als Erfolge zu feiern oder Meilensteine abzuhaken. Ich erzähle sie, weil sie zeigt, wie etwas wachsen kann, ohne einem vorgegebenen Plan zu folgen.
Mein Business hatte nicht den einen Anfang.
Es hatte mehrere Geburtstage. Nicht alle waren offiziell und nur zwei davon hatten äußerliche Merkmale. Dennoch war jeder einzelne davon bedeutsam und wegweisend.
Mit diesem Erinnerungstext lade ich dazu ein, diesen Weg nachzuvollziehen. Von der ersten inneren Entscheidung über Phasen des Suchens und Verdichtens bis zu dem Punkt, an dem sich alles im Alltag bewähren musste.
Dieser Rückblick ist so viel mehr als eine Erfolgsstory. Er zeigt gelebte Erfahrung.
Der erste Geburtstag: Januar 1993
Ende November 1992 bin ich aus meinem Karriereweg in einem internationalen Unternehmen ausgestiegen. Ich habe damit den goldenen Käfig geöffnet, in dem ich zwar 14 Jahre sicher war, mich jedoch schon länger nicht mehr lebendig gefühlt hatte. Darüber habe ich an dieser Stelle ausführlicher geschrieben.
Im Januar 1993 begann meine Selbstständigkeit – inoffiziell. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich einige wenig konkrete Ideen, wie mein Business aussehen sollte. Und ich hatte ein finanzielles Polster, das mir erlaubte, mich eine Weile frei zu bewegen und interessanten Themen und Möglichkeiten nachzuspüren.
Ein Aufbruch ohne Plan und mit innerem Rückenwind
So kam es, dass ich am 6. Januar 1993 in einem Flugzeug saß, das mich über den Atlantik nach Denver / Colorado beförderte. Ich wollte mir ein paar Tage Zeit nehmen, um langsam in einem neuen Lebensabschnitt, den ich zunächst in den USA verordnete, anzukommen. Die nächsten beiden Tage verbrachte ich auf einer langen Zugfahrt, die mich durch drei Staaten und verschneiten Landschaften nach Seattle brachte. Dort wartete ein 13 Jahre jüngerer Amerikaner auf mich. Ich hatte ihn im Sommer 1992 während einer NLP-Fortbildung in Vancouver/Washington kennengelernt und mich verliebt.
Diese Begegnung gab mir die innere Erlaubnis, wirklich auf Abstand zu meinem bisherigen Leben zu gehen.
Und dies nicht nur ein bisschen.
Ich legte eine große Distanz ein zwischen mein altes Leben in München und einem noch völlig offenen Neubeginn in Seattle, im äußersten Nordwesten der USA. Die Tatsache, dass ich „für die Liebe“ so weit weg ging, machte es in den Augen meiner Familie und mein Umfeld – wenn auch mit Kopfschütteln – nachvollziehbar.
Und meine Seele jubelte
Sie war begeistert. Endlich hatte ich mich losgelöst, bereit für ein neues Lebensabenteuer. Schon drei Jahre zuvor hatte sie mir leise zugeflüstert: Mit 40 wird sich dein Leben noch einmal grundlegend verändern. Und ich war mehr als bereit dafür.
Die USA: Erfahrungsraum und Fundament
In Seattle begann eine Zeit intensiver Erfahrungen.
Es war ein Aufbrechen in etwas Neues und anderes – im Außen wie im Inneren.
Ein anderes Lebensgefühl, andere Fragen, andere Möglichkeiten.
In diesem ersten Jahr erlebte ich ein Lebensgefühl, das ich vermisst hatte. Hier fand ich andere Fragen und andere Formen von Begegnung, Arbeit und Lernen. Drei Mal war ich in diesen Jahr für längere Phasen in den USA. Und jedes Mal blühte etwas Neues in mir auf.
So traf ich am Ende dieses Jahres eine Entscheidung.
Ich löste mein Leben in Deutschland auf und ging mit (Post-)Sack und Pack in die USA – ohne festes Visum und ohne Absicherung durch einen Job. Ich wollte mir selbst die Chance eines kompletten Neuanfangs geben. Mich davon überraschen lassen, was „das Leben“ mit mir vorhatte.
In dem Moment, in dem ich mich zu diesem großen Schritt entschied, endete die Beziehung, die den Impuls für Seattle gegeben hatte. Mein Entschluss blieb – und damit öffneten sich wichtige andere Türen.
Allein unterwegs und innerlich ausgerichtet
Durch die früheren Aufenthalte kannte ich schon viele Menschen. Andere kamen neu hinzu. Sie alle halfen mir, in jeder Hinsicht Fuß zu fassen. Sie alle trugen zu den vielfältigen Erfahrungen bei, die mir in den folgenden anderthalb Jahren geboten wurden.
Gerade diese zweite Phase – nach dem Ende der Beziehung und auf mich alleine gestellt – war prägend und für mein Business entscheidend.
Neben vielen Impulsen für mein künftiges Wirken habe ich in dieser Zeit auch meine spirituelle Heimat gefunden. Über die Liebesbeziehung bin ich einem Weg begegnet, der sich mit allem verwoben hat, was ich gelernt und erfahren habe. Diese Anbindung bildet bis heute das innere Grundgerüst meines Wirkens.
Als ich im Sommer 1995 nach Deutschland zurückkehrte, brachte ich kein fertiges Geschäftsmodell mit. Dafür eine tiefe Gewissheit, dass mein Weg nicht entlang bestehender Schablonen verlaufen würde.
Verdichtung: 1995/96
Zurück in Deutschland begann eine Phase des Andockens, der Orientierung und des Ordnens.
Andocken statt Anpassen
Sie startete mit vier intensiven Monaten, in denen ich für Vera F. Birkenbihl tätig war. Es war eine fachlich wie menschlich prägende Erfahrung, über die ich hier ausführlich geschrieben habe. Sie war auch Auslöser für den zweiten Geburtstag – diesmal offiziell, sichtbar und entschieden.
Danach und unterstützt vom monatlichen Zufluss durch das mir gewährte Überbrückungsgeld (heute: Gründungszuschuss) unternahm ich weitere entscheidende Schritte.
Ein Satz, der blieb
Anfang 1996 nahm ich am Seminar „Beruf, Berufung, Lebenserfüllung“ von Bernhard Langwald teil. Dort entstand mein Satz zum Lebenssinn:
Ich lebe fröhlich und frei als Teil einer Gemeinschaft, die ich bewege und die mich bewegt.
Dieser Satz ist seither der innere Maßstab meines Handelns und inzwischen auch Grundlage meiner unternehmerischen Ausrichtung. Was jetzt daraus entstanden ist, erzähle ich in diesem Blogpost: … und die Suche hat ein Ende“.
Vom inneren Kompass zur sichtbaren Form
In diese Zeit fällt auch die bewusste Markenbildung, ausgelöst durch eine weitere Seminarteilnahme. In der Marketing-Klausur von Elisabeth Kräuter entstand meine Ausrichtung auf „Ziele finden, setzen und erreichen“ sowie der Name für mein Unternehmen: Büro für ungewöhnliche Zielerreichung. Eine weitere Teilnehmerin entwickelte das passende Logo dafür.
Auf diesem soliden Fundament entwickelte ich erste Angebote sowie Aktionen, und probierte unterschiedliche Formen von Öffentlichkeit. Dies alles geschah Schritt für Schritt und an vielen Stellen wie vom Leben geführt.
Der dritte Geburtstag: 1. April 1996
Der 1. April 1996 ist für mich bis heute der eigentliche Start meines Unternehmens.
Oder – wenn man so will – der dritte Geburtstag.
Als sich alles im Alltag beweisen musste
An diesem Tag endete das Überbrückungsgeld. Ab jetzt mussten sich meine Ideen wie auch meine Positionierung im Alltag bewähren.
In dieser Phase arbeitete ich sehr viel.
Zu Beginn führte ich diverse Kurse für Arbeitslose durch, ausschließlich für drei verbundene Unternehmen. Das waren harte Woche mit jeweils 5-tägigen Kursen von 8:00 bis 16:15 Uhr. Oft bereitete ich abends die Inhalte des nächsten Tages vor.
Das war keine unmittelbare Herzensarbeit, dafür ein fantastisches Lernfeld. Ich begleitete viele unterschiedliche Menschen mit ebenso vielen Biografien, enttäuschten Hoffnungen und neu aufkeimenden Träumen. Vieles aus dem Stand heraus und voller Vertrauen, dass sich daraus alles Weitere entwickeln und zeigen wird.
Und es sicherte den größten Teil meines Umsatz in den ersten beiden Jahren.
Diese Tätigkeit bildete die wirtschaftliche Basis, auf der ich meine persönlichen Angebote entwickeln konnte.
Parallel dazu entstanden die zentralen Säulen meines Unternehmens. Innerlich waren diese längst angelegt.
Ein erstes inneres Umdenken
Ziele waren damals der Kern von allem. Damals glaubte ich noch an das, was mir Männer vermittelt hatten. Bis ich auch hier meinen eigenen Weg und eine Tatsache erkannte: Frauen brauchen andere Ziele und ein anderes Vorgehen als Männer.
Was darüber hinaus entstand und seinen Weg in die Öffentlichkeit fand – Erfolgsteams, eigene Gruppen, meine Arbeit mit Gemeinschaften – wuchs nicht aus diesen Weiterbildungs-Aufträgen. Es wuchs neben ihnen.
Der 1. April markiert für mich den Zeitpunkt, ab dem sich alle Träume und Vorstellungen in der Wirklichkeit beweisen mussten.
Deshalb habe ich die Jubiläen meines Unternehmens immer an diesem Tag gefeiert.
Das zehnjährige.
Das zwanzigjährige.
Und nun bald auch das dreißigjährige.
Die Themen bis dahin bekamen ein abnehmendes Gewicht und traten nach zwei Jahren in den Hintergrund. Gegenläufig zeigte sich in den folgenden Jahren immer stärker, was wirklich tragfähig UND bis heute mein Herzensthema ist: Menschen ermutigen, ihre Wümsche und Träume ernst zu nehmen und sie auf ihrem eigenen Weg zu erreichen. 2008 entstand daraus mein heutiger Untenehmensname: Die Mutmacherin.



