Dieser Beitrag entstand 2020 anlässlich meines 25-jährigen Business-Jubiläums. Jetzt, fünf Jahre später, greife ich ihn wieder auf – als Teil meiner Reihe Geschichten des Wandels und im Rahmen von 30 Jahre Mut machen.
Die Begegnung mit Vera F. Birkenbihl war für mich ein Schlüsselmoment. Ohne sie hätte mein offizieller Start am 10. September 1995 wohl nicht stattgefunden. Und wer weiß, vielleicht wäre ich dann heute auch nicht als „Die Mutmacherin“ unterwegs. Doch lies selbst…
Die erste Begegnung mit Vera F. Birkenbihl
Der querschlanken, quicklebendigen Managementtrainerin und Verfechterin von gehirn-gerechtem Lernen Vera F. Birkenbihl (VFB) begegnete ich zum ersten Mal im Mai 1994 auf einem ihrer Abendseminare.
Eine Bekannte, die sie gut kannte, stellte uns nach dem Seminar einander vorgestellt. Als VFB erfuhr, dass ich nur wenige Wochen später für einige Zeit in die USA gehen würde, blitzen ihre Augen. Ob ich bereit sei, in dieser Zeit für sie Rechercheaufgaben zu übernehmen? Ich sagte gerne zu – und so begann meine gemeinsame Reise mit dieser kreativem, ungewöhnlichen und ja, auch herausfordernden Persönlichkeit.
Recherchen in den USA – in Zeiten vor Google
Vielleicht fragst du dich: Rechercheaufgaben in den USA?
Bitte bedenke…
Das war in den Frühzeiten des Internets und Jahre, ehe Google* zum Synonym für Online-Recherchen wurde. Es gab zwar schon E-Mails, doch auch dieser Weg der Kommunikation war noch nicht so weit verbreitet, wie wir es heute kennen. So waren wir regelmäßig telefonisch in Kontakt, wenn sie sich wieder mit einem neuen Thema beschäftigte und dazu amerikanische Bücher heranziehen wollte.
Zugleich versorgte ich sie auch mit Informationen, die mir im Kontakt mit amerikanischen Trainern auffielen.
* Google ging am 15. September 1997 online.
Der Anruf am 1. Juni 1995
Im Frühjahr 1995 stand ich vor der Entscheidung: Bleiben oder zurückkehren?
Ich hatte den 1. Juni als Termin für die endgültige Entscheidung bestimmt. In den Tagen zuvor schlossen sich nacheinander alle noch offenen Türen. Schließlich war es der Anruf von VFB am Morgen des 1. Juni 1995, der mich nach Deutschland „zurückrief“.
Als ich ihr dies erzählte, bat sich mich, ich möge mich bald nach meiner Rückkehr nach München bei ihr melden. Da ich bei Ankunft in meiner Heimatstadt wenig Optionen hatte, war der Anruf bei ihr eine meine ersten Handlungen, gleich nach der Wohnungssuche.
Odelzhausen: Mein Einstieg bei VFB
Dieser erste Besuch bei ihr in ihrem mit Büchern und anderen Dingen vollgestopften Haus in Odelzhausen war der Beginn einer intensiven Zusammenarbeit – und für mich die Rettung aus finanziellen Engpässen. Ich besaß nur noch eine sehr überschaubare Geldmenge. Daher hatte ich mich sofort nach meiner Rückkehr arbeitssuchend gemeldet.
Assistentin bei der Meisterin 😉
Der Zufall wollte es, dass VFBs Assistentin sie einige Tage vor unserem Treffen verlassen und sie noch keinen Ersatz gefunden hatte. Sie war daher auf der Suche nach einer guten und schnellen Lösung – und bot mir diese Stelle an. Ich sagte zu, sie als freie Mitarbeiterin auf Teilzeitbasis für einige Zeit zu unterstützen. Einmal pro Woche fuhr ich nach Odelzhausen, um bei ihr im Kellerbüro zu arbeiten und weitere Aufgaben von Zuhause aus zu erledigen. Das war die Frühzeit des inzwischen zum Standard gewordenen Home Office 🙂
Sie stellte mir alles an technischem Equipment zur Verfügung, was ich brauchte, um gut mit ihr und für sie zu arbeiten. So kam ich das erste Mal in den Genuss, mit einem Computer der Firma Apple zu arbeiten – der heute auch zu meiner Standardausrüstung gehört 😉
Jubiläumsvorbereitungen und eine unerwartete Chance
Die zentrale Aufgabe in den ersten Wochen war die Mithilfe bei der Vorbereitung ihres 25-jährigen Jubiläums als Trainerin. Dieses feierte sie Ende September oder Anfang Oktober 1995 (so ganz genau weiß ich es nicht mehr) mit einem 2-tägigen Seminar und ca. 200 Teilnehmenden. Dafür gab es viel zu tun und zu koordinieren.
Mitten in der Vorbereitungszeit erhielt ich eine Einladung der Arbeitsagentur, die damals noch Arbeitsamt hieß. Aufgrund meiner vorherigen Tätigkeit und Qualifikationen war ich schwer vermittelbar. Daher wurde mir aufgrund meiner angegebenen Interessen die Teilnahme an einer einjährigen Vollzeit-Fortbildung zur PR-Beraterin vorgeschlagen. Diese sollte Mitte September starten. Als ich VFB davon erzählte, wurde sie höchst ungehalten: Das geht nicht, ich brauche sie hier! Sagen Sie das ab!
Der Sprung in die Selbständigkeit
Da ich ohnehin geplant hatte, mich selbständig zu machen, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopf und beantragte Übergangsgeld (dies entspricht weitgehend dem heutigen Gründungszuschuss). Damals war für diesen Schritt noch kein Businessplan vorzulegen.
So erstellte ich innerhalb von wenigen Tagen ein Geschäftskonzept als Kreativitäts-Trainerin und Beraterin. Dieses besprach ich mit dem Steuerberater meines Vertrauens, der es als tragfähig absegnete und mir noch ein paar gute Ratschläge mit auf den Weg gab. Das Übergangsgeld wurde mir problemlos gewährt und so startete ich am 10. September 1995 offiziell in die Selbständigkeit.
Ein schöner Nebeneffekt
Ich konnte mich nun voll und ganz auf die Arbeit bei VFB konzentrieren. Zuvor musste ich immer darauf achten, dass auch mit der abgerechneten Stundenzahl unter 15 Stunden blieb, um das Arbeitslosengeld nicht zu gefährden. Dieses brauchte ich nun nicht mehr, denn es war in gleicher Höhe durch das Übergangsgeld ausgeglichen und ich konnte unbegrenzt hinzuverdienen.
Lernen an der Seite einer Meisterin
Nach dem Jubiläum begleitete ich VFB zu einigen ihrer öffentlichen Seminare in Deutschland und der Schweiz. Dabei lernte ich nicht nur interessante Menschen, sonder auch meine Mentorin und Arbeitgeberin besser kennen. Ich hatte zudem Gelegenheit, inhaltlich sehr viel von ihr, ihren selbst entwickelten Denk- und Vorgehensweisen und besonders von ihrem gehirn-gerechten Vorgehen lernen.
Wenn sie nicht auf Tour, sondern in Odelzhausen war, entwickelte sie die eine oder andere Geschäftsidee für mich. Eine davon schloss nahtlos an das an, was ich in den USA für sie gemacht hatte: Bücher aus den USA für deutsche Trainer bestellen und vertreiben.
Geschäftsideen zwischen gestern und morgen
Wenn ich heute auf diese spezielle Idee zurückblicke, verstehe ich zum einen, warum ich so wenig Lust dazu hatte. Zum anderen sehe ich, wie schnell sich diese Idee überholt hat. Bereits ein Jahr zuvor hatte Jeff Bezos Amazon als online bookstore gegründet und seither die Art, wie wir Bücher – und inzwischen auch vieles andere – beziehen, revolutioniert.
Im Juli 1995 wurde über die Plattform das erste Buch verkauft (Quelle: Wikipedia). Bereits zwei Jahre später war Amazon auf dem deutschen Markt… Wie ich beim Schreiben des Blogartikels zu meiner Verblüffung feststellte, bin ich selber auch schon seit 1997 Kundin des Online-Giganten 😉
Abschied von der Mentorin
In den Wochen nach dem Jubiläum wurde mir immer bewusster, dass sich die Zeit der Zusammenarbeit mit VFB ihrem Ende näherte. Nicht weil sie unzufrieden mit mir gewesen wäre. Von ihr hatte ich viel Unterstützung erfahren und manche Idee erhalten, um meinen Weg zu gehen.
Doch ich spürte, dass ich meinen eigenen Weg aus den Augen verlor. Ich wurde mehr und mehr eine Kopie dieser charismatischen Frau. Ich sprach wie sie, dachte wie sie – bis mir klar wurde: Das bin ich nicht!
Ich wollte etwas anderes.
Auch wenn ich es noch nicht recht greifen konnte. So entschloss ich mich zu ihrer Enttäuschung Ende Oktober 1995, die Zusammenarbeit zu beenden und mich ganz darauf zu konzentrieren, mein eigenes Unternehmen mit einem individuellen Angebot zu entwickeln.
Ausblick
Im Jahr darauf eröffnete ich das „Büro für ungewöhnliche Zielerreichung“ – und wurde 2008 zu „Die Mutmacherin“. Wer und was großen Einfluss darauf hat, ist eine eigene Geschichte. Auch diese ist es wert, erzählt zu werden 🙂
Wer hat dich auf deinem Weg inspiriert oder geprägt?
Teile es gerne in den Kokmmentaren.



